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Zehntes Buchbindeseminar in der Jugendherberge Bad Bergzabern mit Teilnehmern aus ganz Deutschland

29.03.1994 01:00
Heften und Binden wie vor 2000 Jahren

Leim, einen dicken Faden, Pappe, reißfesten Stoff und natürlich viel Papier: Mehr braucht es nicht, um ein Buch herzustellen. Doch entscheidend ist das Wie, und daran hat sich seit Christi Geburt wenig geändert.

In diese traditionsreiche Kunst führte Buchbindermeister Klaus Müller aus Nußdorf am Wochenende 15 neugierige Laien in der Jugendherberge Bad Bergzabern ein. Am Ende des Kurses hielt jeder der Teilnehmer sein eigenes Buch mit individuell gestaltetem Einband in den Händen.

Schon seit zehn Jahren finden diese Kurse statt, und das Interesse ist nach wie vor ungebrochen. Aus allen Teilen Deutschlands kommen Teilnehmer angereist, vom Rentner bis zur Hausfrau, vom Akademiker bis zur Sekretärin. Gemeinsam ist allen das Interesse an einem Handwerk, dessen Tradition 2000 Jahre zurückreicht. In Klöstern entstanden in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten frühe Meisterstücke, meist religiöse Handschriften auf Pergament, in Holz oder Leder gebunden.

Doch auch die Herstellung eines einfachen DIN-A5-Buches erfordert Geduld und Fingerspitzengefühl: Zunächst einmal muß ein Buchblock aus Papier mit Faden zusammengeheftet werden. Dann wird der Block in den Buchdeckel aus zwei kräftigen Pappen eingeklebt. Bei diesem Arbeitsschritt drängt Klaus Müller immer wieder zur Eile. Denn wenn der Leim zu trocken wird, fällt irgendwann das Papier aus dem Einband. Im letzten Arbeitsschritt ziehen die Bastler den Umschlag auf. Hier sind den angehenden Buchbindern keine Grenzen gesetzt. Manche drucken mit Holzmodel bunte Blumen, Ranken oder geometrische Muster aufs Papier, andere belassen es bei einer monochromen Farbfläche in Grellorange oder Giftgrün.

Iris Tietz, eine 26jährige Vermessungstechnikerin aus Siegen, weiß noch nicht, wozu sie ihren Erstling verwenden wird, aber was besonderes soll es sein. „Ich werde die einzelnen Herstellungsschritte in mein Buch eintragen“, sagt der Ulmer Rolf Schaubes. Den 45jährige Techniker fasziniert das Thema Buch an sich. Zu Hause habe er eine Menge Zeitschriften und Broschüren, die er einmal ordentlich binden möchte. Praktischen Nutzen von diesem Kurs erhofft sich auch Hildegard Koch aus Taunusstein. Sie ist Realschullehrerin und plant, als Jahresarbeit ein Poesiealbum mit ihren Schülern zu basteln. Doch vorher müsse sie sich erst einmal selbst in die Materie einarbeiten.

Adelheid Stein, Hausfrau aus Dortmund, fertigt ein Tagebuch für ihren Enkel an. Margit Mitterweger aus Augsburg wird ihre selbstgemachten Bücher an Freunde verschenken. Weil sich die 25jährige mit Seidenmalerei beschäftigt, möchte sie ihre Bücher in diesen edlen Stoff binden. Der älteste Buchbegeisterte ist der 70jährige Bad Bergzaberer Heinrich Haag. Schon seit Jahren sammelt er in Archiven Material, um eine genealogische Abhandlung zu schreiben. Aber nicht nur seine Familiengeschichte soll seinen persönlichen Stil tragen, sondern auch das Buch, in das sie geschrieben ist.

 

Quelle: DIE RHEINPFALZ Nr. 74 ; BAD BERGZABERN (bck)

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