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Restaurator für bibliophile Kostbarkeiten

27.04.2003 01:00

Mit einem kleinen scharfen Werkzeug durchtrennt Buchbindermeister Klaus Müller Heftfäden und löst so einzelne Papierbögen aus dem Einband einer alten Bibel. Der 51-jährige aus Landau-Nußdorf gilt als „Bibeldoktor“ in der Pfalz. 350 Heilige Schriften hat er in den vergangenen 20 Jahren restauriert.

Klaus Müller aus Landau-Nußdorf hat in den vergangenen 20 Jahren rund 350 alte Bibeln restauriert

Landau. In der Pfalz gilt er als „Bibeldoktor“, der Buchbindermeister Klaus Müller aus dem Landauer Ortsteil Nussdorf. In seiner Werkstatt restauriert er zusammen mit seiner Frau Hedwig seit mehr als 20 Jahren alte Bibeln. „Wir haben gerade die 350. historische Bibel generalüberholt“, berichtet er. Das deutsche Werk aus dem Jahr 1730 im Din-A4-Format hat einen dunkelbraunen kalbsledernen Einband. Ein Pfarrer aus dem nordbadischen Raum hatte es mit beschädigtem Einband, losen und teilweise von Schädlingen angefressenen Seitenrändern abgegeben. Etwa ein Jahr lang ist das wertvolle Buch beim Restaurator gewesen.
Mehrere Arbeitsschritte sind nötig, um das antiquarische Werk von Grund auf zu erneuern. Zunächst befreit der 51-jährige Buchrestaurator jede Seite mit einer Naturhaarbürste von Staub und Fremdkörpern. Dann lösen Müller und seine Mitarbeiter die Bögen aus dem Einband und von den Baumwoll-Fäden, die sie zusammenhalten. Die Buchbögen werden für etwa vier Stunden in die so genannte Papierwaschmaschine gelegt. Statt Trommelbewegungen verursacht die Maschine nur leichte Wellenbewegungen; sodass die Bögen sanft durchgespült und von Unreinheiten befreit werden.
Am nächsten Tag ergänzt Mitarbeiterin Isabel van Weel zerlöcherte, zerrissene und angefressene Papierbögen in einem weiteren Wasserbad, in der so genannten Anfaserungsmaschine, mit Papierfasern, sodass die Bögen wieder vollständig werden. Dafür rührt sie einen Brei aus Baumwolle an, der als Papierrohstoff dient. Sie gibt ihn in das leicht sprudelnde Wasser, dabei legen sich die frei schwimmenden Baumwollfasern kaum sichtbar auf die Seiten. Anschließend werden die Bögen aus dem Bad genommen, getrocknet, mit Buchbinderleim bestrichen, wieder getrocknet und anschließend zwischen Pappplatten in der Papierpresse gepresst.
Im nächsten Arbeitsschritt heften Hedwig und Klaus Müller die Seiten mit neuen Baumwollfäden und ergänzen gegebenenfalls den Ledereinband. Bei der Bibel von 1730 war das Leder des Buchdeckels zerschlissen, Hedwig Müller ergänzte es mit gleichfarbigem Kalbsleder. Abschließend stellt Klaus Müller neue Schließen aus Leder und Messing her.
„Bis 1850 ist das Bibelpapier aus Baumwolle und Lumpenfasern gemacht worden, danach aus Holz“, berichtet Klaus Müller. „Deshalb brauchen wir für alte Bibeln mit Erscheinungsjahr vor 1850 den Baumwollbrei, um Risse, Fasern und fehlende Papierstellen zu ergänzen“, so Müller. Für jüngere Bibeln dagegen gebe es Papiervliese aus Zellulosefasern, die nur auf die Seiten aufgebügelt würden. Für die Aufarbeitung einer alten Heiligen Schrift nimmt der „Bibeldoktor“ je nach Restaurierungsaufwand zwischen 1000 und 2000 Euro. dob

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