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Hedwig Müller erhält den Preis des Handwerks Rheinland-Pfalz

23.09.2010 01:00
Schöne und edle Form

Freunde schöner und edel verarbeiteter Gebrauchsgegenstände, die sich zudem auch noch wohltuend von der Uniformität industrieller Massenproduktion abheben, kommen dieser Tage im Mußbacher Herrenhof voll auf ihre Kosten: Bei der Ausstellung zum Staatspreis für Kunsthandwerk ist die Creme de la creme der rheinland-pfälzischen Kunsthandwerker versammelt (wir berichteten gestern auf der Kulturseite), darunter auch viele Pfälzer.
Zu sehen sind in der Herrenhof-Kunsthalle die Arbeiten aller 45 Teilnehmer, die in diesem Jahr für den Wettbewerb um den Staatspreis und den traditionell zeitgleich mit diesem vergebenen Preis des Handwerks zugelassen wurden – rund 250 Beispiele aus den Bereichen Fotografie, Glas, Holz, Keramik, Metall, Papier, Schmuck/Edelstein und Stein, die vor allem eines gemeinsam haben: dass sie den zwischen Ikea-Möbeln hockenden Normalverbraucher zum Träumen bringen. Wobei sich die Träume, das nötige Kleingeld vorausgesetzt, in Mußbach auch verwirklichen lassen.
Dabei sind die Wettbewerbsbeiträge der insgesamt fünf Preisträger, darunter die Landauer Buchbindermeisterin Hedwig Müller, wie es sich gehört, besonders prominent gleich im Eingangsbereich postiert. Förmlich in den Blick drängen sich hier die exquisiten Küchentische der Tischlerei Sommer aus Breitscheid im Westerwald, die das Herz eines jeden Hobbykochs höher schlagen lassen. Edle Materialien verbinden sich mit exquisiter Verarbeitung und gelungenem Design. Die Sommers, Firmenchef Gregor Sommer war übrigens vor neun Jahren schon einmal Staatspreisträger, teilen sich den mit 15.000 Euro dotierten Staatspreis in diesem Jahr mit der Glasgestalterin Carolin Schwarz aus Holzappel bei Montabaur, deren an Vorbilder der konkreten Kunst erinnernde Fensterbilder gleich rechts des Eingangs zu finden sind. Der Entstehungsprozess dieser Glasarbeiten ist handwerklich sehr aufwendig: Die einzelnen Farben müssen in jeweils separaten Ofengängen in die Grundfläche eingeschmolzen werden.
Noch filigraner und artifizieller als diese Glasarbeiten wirken die formschönen Schächtelchen und „Krimskrams-Kästchen“ aus Karton, die Hedwig Müller den Preis des Handwerks eingebracht haben. Eine Spezialität der Nußdorferin ist Kleisterpapier, auf das sie verschiedene Farbschichten aufbringt und das sich dann für allerlei Zwecke einsetzen lässt, die das Leben schöner machen: Für Bucheinbände oder Buchschuber vor allem, die das Lesen sicher zu einem Fest für die Sinne machen. Für Müller, die in der Region nicht zuletzt durch ihre aufwendigen Buchrestaurierungsprojekte bekannt ist, schließt sich mit dem Preis gewissermaßen ein Kreis: Schon 1984 erhielt sie den Förderpreis des Kunsthandwerks Rheinland-Pfalz. Den mit 5.000 Euro dotierten Handwerkspreis teilt sich Müller mit dem Metallgestalter Michael Gradinger aus Mainz, der für seine extravagant geformten Zaunelemente, die klassische Schmiedeeisentechnik mit lasergeschnittenen Präzisionsformteilen kombinieren, ausgezeichnet wurde.
Unter den 45 Teilnehmern sind wieder die Schmuckgestalter am stärksten vertreten. Auch die Förderpreisträgerin Katharina Dettar, Studentin an der Fachhochschule in Idar-Oberstein, ist diesem Bereich zuzuordnen. Sie kombiniert in ihren Schmuckobjekten Edelsteine und -metalle mit Alltagsmaterialien wie Zeitungspapier, Muscheln oder Steinen und steht damit für ganz andere Formensprache als beispielsweise die Edenkobenerin Britta Bode mit ihren kühl-konstruktiv anmutenden Broschen aus Silber und Acrylglas oder Susanne Aheiger aus Lingenfeld mit ihren verspielten Colliers voller Blüten und Schmetterlingen.
Weitere Pfälzer sind der Keramikmeister Manfred Braun aus Dannenfels, Staatspreisträger 2007, mit seinen perforierten Leuchtobjekten aus Steinzeug und Porzellan, der Grünstadter Drechslermeister Heinrich Andreas Schilling mit seinen exquisiten hölzernen Bucheinbänden, bei denen unter anderem alte Fassdauben verarbeitet wurden, und der Kaiserslauterer Steinmetz Richard Henkel mit einem „Weinstein“ genannten beleuchteten Flaschenhalter aus Marmor. Der Gimmeldinger Keramikdesigner Hans Werner Scholl bringt exklusive offene Kamine aus Keramik.
(hpö)

 

Hedwig Müller: "Einfach 24 kleine Schachteln"

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