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Das Goldene Buch der Landeshauptstadt

13.12.2004 01:00
Geschichte zwischen Ziegenleder

Saarbrücken. Dunkelblaues, afrikanisches Ziegenleder, 500 Seiten handgeschöpftes Papier. In dem Buch, das seit fünf Tagen im Tresor der Stadt Saarbrücken aufbewahrt wird, steckt jede Menge Arbeit. Klaus Müller, Buchbinder aus dem rheinland-pfälzischen Landau, hat es in Handarbeit gefertigt. Das schwere Werk mit dem Wappen der Landeshauptstadt ist das neue Goldene Buch Saarbrückens.
Noch sind die blütenweißen Seiten leer. Doch schon bald soll es sich mit Unterschriften prominenter Besucher der Stadt füllen. „Es ist bereits das dritte Goldene Buch”, erklärt Werner Theis, Leiter der städtischen Protokollabteilung. Der US-Generalkonsul Peter W. Bodde hatte Ende September auf die letzte Doppelseite des zweiten Buchs seine Unterschrift gesetzt.
Zu dieser Zeit war Theis schon auf der Suche nach einem neuen Buch. „Es war ein schwieriges Unterfangen, einen geeigneten Buchbinder zu finden”, sagt er. „5000 Stück machen zu lassen, das wäre kein Problem gewesen. Aber jemanden zu finden, der ein einziges Buch fertigt, das war schwierig.” 25 Stunden hat Buchbinder Müller am Goldenen Buch gearbeitet. 80 Jahre lang sollen nun besondere Gäste der Stadt sich darin verewigen.


Irgendwann wird es dann Geschichten erzählen. Von glanzvollen Besuchen, interessanten Begegnungen. Es wird ein Stück Geschichte widerspiegeln. Das vorangegangene Goldene Buch wurde im Juni 1948 eingeweiht.
Gilbert Grandval und Johannes Hoffmann haben auf der ersten Seite unterschrieben. Viele Botschafter, Politiker, Künstler und Sportler folgten. Unterschriften von Robert Schuman, Theodor Heuss, Francois Mitterand erinnern an deren Besuche. Theis ist auch der Besuch von Sängerin Patricia Kaas im Gedächtnis geblieben. „Sie kam herein wie Edith Piaf. Umhüllt war sie von einem langen Kamelhaarmantel, in dem sie fast klein wirkte.” Unterschrieben hat sie dafür umso schwungvoller.
Für den Eintrag gibt es keine protokollarischen Vorgaben, erklärt Theis. Das heißt: Jeder kann schreiben, was er will. Der französische Zeichner Raymond Peynet hat mit flotten Strichen sogar ein Liebespaar ins Goldene Buch gemalt. Auch von Freundschaften zeugt das Goldene Buch: So etwa vom Beginn der Partnerschaft mit Nantes im Jahr 1966. Wer auf die erste Seite des neuen Goldenen Buches seine Unterschrift setzen darf, das steht noch nicht fest.

 

Quelle: Saarbrücker Zeitung Nr. 290 

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