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Buchbinder-Ehepaar Hedwig und Klaus Müller restauriert seit 25 Jahren alte Bücher

13.11.2007 01:00
Bibeln bekommen neues Gesicht

Die 400. Bibel restaurierten Hedwig und Klaus Müller, Buchbinder-Ehepaar aus Landau-Nussdorf, kürzlich in ihrer Werkstatt. Seit 25 Jahren geben sie mit handwerklichem Können und unter Einsatz von Geräten Jahrhunderte alten zerfallenen Exemplaren der Heiligen Schrift wieder die alte kompakte Form zurück.
„Unser neuester Patient ist ein Bibelexemplar von 1660, das in Wittenberg und Frankfurt am Main bei Balthasar Christoph Wusten gedruckt wurde”, sagt Klaus Müller und streicht über den dunkelbraunen neuen Ledereinband. Als ein Südpfälzer das Buch gebracht habe, seien vom Original-Ledereinband nur noch Teile übrig gewesen. Metallschließen hätten gefehlt, die Einbindung der Seiten seien zerfleddert und die Blätter an den Rändern teils zerfallen gewesen. „Das Werk muss längere Zeit Feuchtigkeit ausgesetzt gewesen sein”, sagt Müller. Wasserflecken und -schäden auf den Seiten haben der Bibel ziemlich zugesetzt.
Er und seine Frau haben das Werk ein dreiviertel Jahr lang restauriert: Zunächst zerlegten sie es in die einzelnen Heftlagen und reinigten die Seiten. Sie befreiten die Bibel mit einer Naturhaarbürste von Staub und Fremdkörpern. Dann wuschen sie alle Blätter in der Papierwaschmaschine.
Die wasserfeste Druckerschwärze überstand die Prozedur unbeschadet. Die beschädigten Textblätter wurden mit neuem Papierbrei aus Zellulosefasern ergänzt und die getrockneten Seiten mit festigendem Spezialleim bestrichen. Nach dem Beschneiden aller Papierblätter auf reduziertes DIN-A4-Format hefteten die Restauratoren die geordneten Seiten und Bögen wieder mit Nadel und Faden. Mit einem Einband aus Rindsleder und neuen Buchschließen aus Metall ist das Werk wieder etliche Jahrzehnte einsatzfähig.
„Unser schwierigster Fall war bisher ein Buch aus Neustadt, eine Hanisch-Bibel von 1594”, erzählt Hedwig Müller. Das Buch sei wurmzerfressen, der Einband nicht mehr vorhanden gewesen. Doch solche Sorgenkinder zu restaurieren, sei am interessantesten. „Man sieht, was man gemacht hat.”
Nach den Worten von Klaus Müller gibt es in Deutschland rund 1000 handwerkliche Buchbindereien. Nur etwa 100 davon seien Betriebe, die Bücher auch restaurierten. In ihrer Werkstatt arbeiteten die beiden Buchrestauratoren genauso viele Kochbücher wie Bibeln auf. „Auch an den Jahrzehnte bis Jahrhunderte alten Koch- und Backbüchern aus ihren Familien hängen die Leute”, weiß er.

 

Quelle: DIE RHEINPFALZ Nr. 263; Ingelore Dohrenbusch (EPD)

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